Schilf-Glasflügelzikade: Gemeinsames Handeln von Forschung, Züchtung und Praxis ist zentral
Bonn, 17.12.2025: Der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e. V. (BDP) begrüßt den gestern vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) initiierten Runden Tisch zur Schilf-Glasflügelzikade. Die zunehmende Ausbreitung des Schaderregers verdeutlicht den Bedarf an belastbaren Strukturen in Forschung, Monitoring, Pflanzenzüchtung und Pflanzenschutz, um die durch das Insekt verursachten Schäden wirksam zu begrenzen.
„Der Runde Tisch ist ein wichtiges Signal, dass die Herausforderung erkannt ist und nur im Zusammenspiel der beteiligten Akteure bewältigt werden kann“, betont Dr. Felix Büchting, stellvertretender Vorsitzender des BDP. „Die Abwehr der durch die Schilf-Glasflügelzikade übertragenen Pflanzenkrankheiten erfordert nun unter anderem ein langfristiges Engagement des Bundes – sowohl in der Forschungsfinanzierung als auch beim Aufbau einer vernetzten wissenschaftlichen Infrastruktur.“Im Umgang mit neu auftretenden und sich wandelnden Schaderregern kommt der wissenschaftlichen Arbeit des Julius Kühn-Instituts (JKI) eine entscheidende Funktion zu. Seine Expertise zu Vektoren, Pathogenkomplexen und Monitoring ermöglicht es, Entwicklungen früh einzuordnen und Reaktionsfähigkeit auf fachlich fundierter Grundlage sicherzustellen.Zudem ordnet der BDP die neue Forschungsinitiative PhytoProtect als wichtigen Impuls für moderne Strategien der Pflanzengesundheit und Resistenzforschung ein. Ihre Wirkung entfaltet sie jedoch nur im Rahmen einer insgesamt gestärkten Forschungsförderung. Entscheidend ist dabei die systematische Verzahnung von Grundlagenforschung, angewandter Forschung und Pflanzenzüchtung.„Wir brauchen langfristige Forschungsinvestitionen, verlässliche Programme für Verbünde zwischen Ressortforschung, Akademia und der privaten Pflanzenzüchtung sowie klare Prioritäten im Sinne einer vorausschauenden Forschungs- und Innovationspolitik. Ein wirk-sames Zusammenspiel von agronomischen Ansätzen, Pflanzenschutz und Sorten-entwicklung setzt voraus, dass der Bund diesen Prozess strategisch begleitet und finanziell fördert – und so die Resilienz des Agrar- und Ernährungssystems stärkt“, erklärt Büchting.Die Pflanzenzüchtung wird sich wie bisher mit ihrer Expertise aktiv in entsprechende Programme einbringen und gemeinsam mit Wissenschaft und landwirtschaftlicher Praxis an tragfähigen Lösungen mitwirken. Dazu bleibt sie auf verlässliche, innovationsfreundliche Rahmenbedingungen angewiesen, damit Deutschland eine wissenschaftlich fundierte und vorausschauende Vorsorgestrategie gegenüber neuen Schaderregern entwickeln und dauerhaft sichern kann.Zum Hintergrund:
Die Schilf-Glasflügelzikade (Pentastiridius leporinus) breitet sich in den letzten Jahren in Deutschland rasant aus und entwickelt sich zu einem der zentralen neuen Schaderreger im Ackerbau. Als Überträger bakterieller Erreger verursacht sie in Zuckerrüben das SBR-Syndrom und in Kartoffeln Stolbur wie auch die Bakterielle Knollenwelke – mit erheblichen Verlusten, u. a. in Ertrag und Qualität. 2024 waren bereits rund 84.000 ha Zuckerrüben und 22.000 ha Kartoffeln betroffen. Begünstigt durch wärmere und trockenere Sommer verschärft sich die Dynamik der Ausbreitung. Neben den Hauptkulturen rücken weitere Wirtspflanzen wie Zwiebeln, Möhren oder Rote Bete in den Fokus, was das Infektionsrisiko zusätzlich erhöht. Die Bekämpfung ist komplex, weil die Zikade mehrere Entwicklungsstadien in unterschiedlichen Kulturen durchläuft und sich über die Fruchtfolge hinweg etabliert. Um die Ausbreitung einzudämmen, braucht es einen integrierten Ansatz.Kontakt:
Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e. V. (BDP)
Ulrike Amoruso-Eickhorn
Stellv. Geschäftsführerin, Leiterin Kommunikation und Strategie
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Tel.: 0228 98581-285
E-Mail: ulrike.amoruso@bdp-online.de
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