BDP zieht Jahresbilanz: 2025 war ein Weckruf für die Bedeutung von Sorten und Saatgut als strategische Ressource
2025 war zugleich ein Jahr wichtiger regulatorischer Entscheidungen. Mit der Einigung im Trilog auf EU-Ebene zu neuen genomischen Techniken wurde eine Grundlage geschaffen, um den rechtlichen Rahmen für die Pflanzenzüchtung zu modernisieren. Der erzielte Kompromiss eröffnet die Perspektive, neue Züchtungsmethoden künftig tatsächlich nutzen zu können – Methoden, die für die Bewältigung klimatischer Risiken und die Stärkung der Ernährungssicherheit dringend benötigt werden. Entscheidend ist nun, dass das Europäische Parlament und der Rat der Europäischen Union den Regelungen zeitnah zustimmen.
Das Jahr 2025 hat zudem deutlich gemacht, dass Deutschland eine erheblich verstärkte und langfristiger angelegte Forschungs- und Innovationspolitik für die Pflanzenzüchtung benötigt. Nicht zuletzt die Ausbreitung der durch die Schilf-Glasflügelzikade verursachten Schäden zeigt, wie notwendig belastbare wissenschaftliche Strukturen sind, die Datenräume, Monitoring, Ressortforschung, akademische Exzellenz und züchterische Praxis systematisch miteinander verbinden. Ohne verlässliche öffentliche Forschungsförderung kann die Züchtung weder die notwendigen Resistenzen entwickeln noch Anpassungsstrategien für eine sich wandelnde Umwelt bereitstellen. „Will Deutschland neuen Schaderregern und Pflanzenkrankheiten wissenschaftlich fundiert und vorausschauend begegnen, muss die Bundesregierung diese Zielsetzung konsequent in seiner Forschungsagenda verankern“, so Schäfer.
Der BDP begrüßt die beginnenden Trilogverhandlungen zum neuen EU-Saatgutrecht. Damit ist eine zentrale Grundlage für die weitere Ausgestaltung eines modernen und praxistauglichen europäischen Saatgutrechts geschaffen worden. Zuvor hatte der Verband die Beratungen vor allem auf Ebene der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments mit Sorge verfolgt. Insbesondere vorgesehene zusätzliche Ausnahmen bei der Zulassung und dem Inverkehrbringen von Sorten und Saatgut hätten bewährte Grundprinzipien des Saatgutrechts unterlaufen und erhebliche Risiken für die Versorgung der Landwirtschaft mit hochwertigem und gesundem Saat- und Pflanzgut mit sich gebracht.
Mit der nun vorliegenden Position des Rats der Europäischen Union wurden aus Sicht des BDP wesentliche Korrekturen erreicht. Zentrale Belange der Pflanzenzüchtung wurden aufgegriffen und der ursprüngliche Kommissionsvorschlag in entscheidenden Punkten nachgeschärft. „Das erteilte Ratsmandat muss der Maßstab für die weiteren Trilogverhandlungen sein. Nur so kann ein neues Saatgutrecht entstehen, das die Qualität von Sorten und Saatgut sichert und die Ziele einer nachhaltigen und resilienten Landwirtschaft unterstützt“, ist Schäfer überzeugt.
Mit Blick auf 2026 wird es entscheidend darauf ankommen, die eingeleiteten Reformen konsequent umzusetzen und die politischen Rahmenbedingungen für Pflanzenzüchtung und Saatgutwirtschaft weiter zu stabilisieren. Die anstehenden Entscheidungen zu neuen Züchtungsmethoden, zum europäischen Saatgutrecht sowie die von der Europäischen Kommission angestoßene Prüfung des europäischen Sortenschutzrechts werden maßgeblich bestimmen, ob Innovation in Deutschland und Europa tatsächlich Wirkung entfalten kann.
Der BDP wird diesen Prozess 2026 mit besonderem Nachdruck begleiten. Die politische Einordnung der Pflanzenzüchtung als Teil der kritischen Infrastruktur wird dabei eines der zentralen Themen des kommenden Jahres sein. „Wir werden uns weiter dafür stark machen, dass diese Bedeutung auch in politischen Entscheidungen, Forschungsprioritäten und regulatorischen Rahmenbedingungen konsequent berücksichtigt wird – im Interesse einer nachhaltigen, resilienten und zukunftsfähigen Agrar- und Ernährungspolitik“, erklärt Schäfer.
Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e. V. (BDP)
Ulrike Amoruso-Eickhorn
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