Ein Rückblick auf die Geschichte der Pflanzenzüchtung und der GFP 1908 Gründung der Gesellschaft zur Förderung deutscher Pflanzenzucht (GFP) am 18. Februar im Architektenhaus in Berlin. Vorsitzender der GFP (1908-1933): Ludwig Kühle 1909 «Primadonna» von der Firma Ernst Benary, Erfurt, die welterste tetraploide F1-Hybridsorte von Begonia semperflorens 1914Beginn des Ersten Weltkriegs Der erste Lehrstuhl für Vererbungslehre entsteht an der Königlich Landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin mit Erwin Baur als Lehrstuhlinhaber. 1916/17 »Steckrübenwinter« als Folge einer totalen Missernte bei Kartoffeln im Sommer 1916 nach epidemischem Phytophthora- Befall. 1919 Geburtsstunde der »Grünlandbewegung« in Steinach/Bayern und Beginn der systematischen Futtergräserzüchtung. 1924 Demonstration des Gigas-(Riesen-)Wuchses von polyploiden Pflanzen durch Fritz von Wettstein, Göttingen. 1927 5. Internationaler Kongress für Vererbungslehre in Berlin unter dem Vorsitz von Erwin Baur mit Vorträgen von Muller, USA, über erste erfolgreiche Mutationsauslösung und Vavilov, UdSSR, über die Genzentren der Kulturpflanzen. 1928 Einweihung des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Züchtungsforschung in Müncheberg/Mark. Baur und seine Schüler entwickeln eine erste genetische Chromosomenkarte am Löwenmaul (Antirrhinum majus). Massenauslese auf spontane alkaloidfreie Mutanten der Lupine mittels einer einfachen, nicht destruktiven Samenprüfung durch Reinhold von Sengbusch. 1929 Kurssturz an der New Yorker Börse ("Schwarzer Freitag"), ausgelöst durch überschießende Getreideproduktion infolge Mechanisierung der Landwirtschaft Nordamerikas. 1933 Machtergreifung der Nationalsolzialisten in Deutschland, Aufbau des Reichsnährstands und Proklamation der "Erzeugungsschlacht". - Auflösung der GFP 1939 Beginn des Zweiten Weltkrieges, Einführung der "totalen Kriegsnährungswirtschaft" 1942 Nachweis einer mehltauresistenten Mutante durch Freileben und Lein, Universität Halle/Saale, in einer anfälligen Gerstensorte nach Röntgenbestrahlung. Reinhold von Sengbusch beginnt die Erdbeerzüchtung, aus der 1954 die weltweit über viele Jahrzehnte unerreichte Sorte 'Senga Sengana' hervorgeht. 1945 Ende des Zweiten Weltkrieges, Massenflucht aus Ostdeutschland. 34 von 74 Pflanzenzuchtbetrieben gehen in den Westen. Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ). 1946 Gründung einer "Vereinigung der Saatzüchter" in der SBZ und Errichtung der "Deutschen Saatzucht-Gesellschaft" (DSG) mit Sitz in Berlin, später Quedlinburg. Aufbau des Instituts für Kulturpflanzenforschung mit Genbank in Gatersleben, Direktor: Hans Stubbe In den drei westlichen Besatzungszonen Gründungen: "Verband der Pflanzenzüchter" (VdP) 1945, "Verband Bayerischer Pflanzenzüchter" (VBP) 1946, "Verband Südwestdeutscher Pflanzenzüchter" (VSWP) 1946 1950 Gründung der Arbeitsgemeinschaft landwirtschaftlicher Pflanzenzüchterverbände, Geschäftsführer: C. H. Roemer, Frankfirt/Main Gründung der "Arbeitsgemeinschaft Deutscher Hybridmais" und Initiierung von vier Zuchtprogrammen durch Wilhelm Rudorf, Voldagsen, gleichzeitig Beginn der Hybridmaiszüchtung in Bernburg 1953 Gesetz über Sortenschutz und Saatgut, Einrichtung des Bundessortenamtes in Rethmar, später Hannover. In der DDR wird für diese Funktion 1955 die Zentralstelle für Sortenwesen in Nossen gegründet. Vorschlag für die molekulare Struktur der Erbträger (Gene) als DNA-Doppelhelix (Watson und Crick, England). 1955 Einführung des Mähdrusches und Entwicklung kürzerer, standfesterer Getreidesorten. 1961 Erste nematodenresistente Kartoffelsorte 'Antinema' wird für den Züchter Raddatz-Hufenberg in Scharnhorst/Habighorst in die deutsche Sortenliste eingetragen. Gründung der UPOV (Union internationale pour la protection des obtentions végétales) in Paris. Deutschland und sieben weitere Staaten unterzeichnen das internationale Übereinkommen zum Schutz von Pflanzenzüchtung. 1962 Zusammenschluss der drei Züchterverbände zum Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP), Bonn. Vorsitzender (1961-1980): Dobimar von Kameke 1964 Gründung der "Hans-Ulrich Hege Saatzuchtmaschinen", Hohebuch, deren "Hege 125" als Mähdrescher für Versuchsparzellen wie später auch die Hege-Parzellen-Sämachinen weltweite Verbreitung erreichen. 1965 Neugründung der GFP als "Gemeinschaft zur Förderung der privaten deutschen landwirtschaftlichen Pflanzenzüchtung" in Hannover. Vorsitzender (1965-1983): Dr. Carl-Ernst Büchting 1966 Drastische Verminderung des Arbeitsbedarfs im Zuckerrübenanbau durch monogerme Zuckerrübensorten 1967 GFP-Forschungsvorhaben M1/66 zur Erarbeitung von züchterisch effizienten Nachweismethoden als Voraussetzung für die Züchtung von erucasäurefreien 0-Rapssorten (1974) sowie gleichzeitig glucosinolatarmen 00-Qualitätsrapssorten (1987). 1972 Gründung der "Gesellschaft für Erwerb und Verwertung landwirtschaftlicher Pflanzensorten" (GVS) beim BDP in Bonn zur Nutzung des Zuchtmaterials aus GFP-Forschungsprogrammen. 1975 Erzeugung von homozygoten doppelhaploiden (DH-)Linien durch In-vitro-Kultur von Mikrosporen bei Raps (Thomas und Wenzel) und von Antheren der Gerste (Foroughi-Wehr). 1978 Erzeugung von somatischen Hybriden durch Fusion von Protoplasten aus Tomaten und Kartoffeln durch Georg Melchers und Mitarbeiter, Tübingen 1981 Jozef Stefaan (Jeff) Schell gelingt in Köln-Vogelsong erstmals die molekulare Übertragung und Ausprägung eines artfremden Gens in Tabak. 1984 Eintragung der drei ersten Hybridsorten von Winterroggen auf Basis des seit 1967 von Hartwig H. Geiger und F. Wolfgang Schnell in Hohenheim entwickelten Pampa-CMS-Systems. 1989 Fall der Berliner Mauer und Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990. Erster großflächiger Freilandversuch mit transgenen Petunien im Max-Planck-Institut in Köln-Vogelsang. 1990 Inkrafttreten des ersten Gentechnikgesetzes (GenTG) in Deutschland am 1. Juli 1990. 1993 Erste Freilandversuche in Deutschland mit transgenen Kulturpflanzen (Zuckerrüben, Kartoffeln) in Wetze durch die KWS Kleinwanzlebener Saatzucht AG, Einbeck. 1995 GFP/BMFT-Verbundsforschungsvorhaben "Bioengineering für Rapssorten nach Maß" von Universitäts- und Max-Planck-Instituten, Pflanzenzuchtunternehmen und der Nachungsmittelindustrie mit dem Ziel, einen "Transgenen Zuchtgarten" einzurichten. 1997 Gründung der GFP-Patentstelle, angesiedelt bei der GVS, zum Schutz von Ergebnissen der GFP-Gemeinschaftsforschung. 1998 Auf Initiative der GFP startet das Bundesforschungsministerium (BMBF) das Forschungsprogramm "Genomanalyse im biologischen Systems Pflanze" (GABI). Gründung des Wirtschaftsverbundes "Pflanzengenomforschung GABI" (WPG), Vorsitzender: Dr. Andreas J. Büchting, Einbeck 2001 Beginn von internationalen Forschungskooperationen in der Pflanzenforschung mit Partnern in Frankfreich, Spanien und Kanada. 2007 Erfolgreiche Resistenzzüchtung gegen den eingeschleppten, invasiven Maiswurzelbohrer. 2008 Zusammenführung verschiedener Bundesforschungsanstalten (BAZ, BBA, FAL) zum Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, Julius Kühn-Institut (JKI) in Quedlinburg. | ||
ImpressumSchriftgröße anpassen | ||